Kennen Sie noch die Geschicklichkeits-Spielautomaten aus den 90er-Jahren mit der Stahlkugel in der Mitte, dessen Ziel es ist, möglichst viele Hindernisse punktgenau zu treffen und damit eine neue Bestleistung aufzustellen? Die Rede ist natürlich von den Flipperautomaten. Viele von Ihnen werden sich mit Sicherheit mit einem guten Gefühl an diese erinnern.
Es hat schon etwas Nostalgisches, wenn man an die alten Spielautomaten zurückdenkt. Gerade zur Hochzeit in den 60er und 70er-Jahren war jede Spielhalle, die etwas auf sich hielt, mit mehreren Flippern ausgestattet – nicht umsonst. Denn Flipper-Geräte versprachen Dauerspaß für Jung und Alt und waren eine echte Alternative zu den ersten Spielkonsolen. Attribute wie Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Spaß, Action, Kreativität wurden den Automaten zugeschrieben.
Abwechslungsreiche Spielautomaten als Spaßgarant
Viele der Automaten verfügten über dauerhaft variierende Spielabläufe und so konnten nicht einmal Profis ihr volles Potenzial ausschöpfen. Irgendwie waren die Flipper auch ganz schön komplex. So stellte die Wartung der Geräte vor dem Hintergrund der technischen Komplexität und anhaltenden Einsparmaßnahmen die Automatenaufsteller vor einem großen Problem. Als im Jahre 1999 die letzten großen Flipperhersteller ihre Werkshallen schlossen und die Produktion einstellten, war das Aus für eines der beliebtesten Geräte der 90er-Jahre besiegelt. Der Preis von letztenendes bis zu zwei Deutsche Mark pro Partie tat dabei sein übriges.
Ein historischer Rundumschlag
Doch wie kam es dazu? Nach der Erfindung des ersten Spielautomaten im Jahre 1947 konnte das Gerät ein halbes Jahrhundert zur Belustigung zahlreicher Spielhallen-Besucher erfolgreich beitragen. Die ersten Geräte waren noch ziemlich klobig. In den darauffolgenden 20 Jahren hat sich einiges getan. Es wurden mechanische Rollenzählwerke für bis zu vier Spieler, robuste Metall-Rail-Gehäuse, neuartige Punkteanzeigen und automatische Kugelvorlagen für mehrere Bälle entwickelt. Auch das Design wurde ständig verbessert.
Im Jahre 1968 hatte der deutsche Flippermarkt einen ersten Einbruch zu verzeichnen. Dies hatte allerdings weniger etwas mit einer nachlassenden Beliebtheit der Spielautomaten zu tun, sondern viel mehr mit der Einführung neuartiger Pool-Billards, worauf viele Aufsteller vermehrt investiert haben. Einige Jahre später wurde die Bezahlung der Geräte verändert. Die 10 Pfenning-Einwürfe verschwanden. An die Stelle rückte unter anderem der 2 DM-Einwurf, wofür man damals zehn Spiele machen konnte. Zum Vergleich: 1999 konnten die Spieler nur noch eine Partie für das Geld machen.
Goldene Jahre für Flipperhersteller
1975 wurde ein Flipper zum ersten Mal über 10.000 Mal verkauft. Die Folgejahre galten für die vier großen Flipperhersteller, darunter Bally und Williams, als die erfolgreichsten in der Geschichte. Alleine in Deutschland wurden im Jahre 1979 über 40.000 Flipperautomaten verkauft und über 200.000 Geräte in den Spielhallen aufgestellt. Vier Jahre später folgte der nächste Tiefpunkt, wofür nicht nur die Entwicklung erster Spielkonsolen für den Fernseher verantwortlich war. Inzwischen nannten auch viele Haushalte einen Flipper ihr Eigen. Jeder wollte nun einmal an dem Hipe um die Metallkugel teilhaben.
Revolution – Der Anfang vom Ende
Im Jahre 1986 wurde ein neuer Boom durch die Revolution der Flipperautomaten ausgelöst. Optisch wurden die Geräte mit höheren Metallgehäusen, ansprechenden Designs und Rampen aufgewertet. Die Flipper bekamen das Design, welches Ihnen auch heute noch bekannt sein dürfte. Im Inneren wurde mehr Technik verbaut. Die Spielmechanik wurde komplizierter, was zur Anhebung des Schwierigkeitsgrades führte. Denn es reichte fortan nicht mehr die Kugel im Spiel zu halten. Erstmals mussten auch komplexe Aufgaben erfüllt werden. Die Elektronik hat sich dabei aber stets an das Spielverhalten beziehungsweise das Können des Benutzers angepasst.
Es folgten einige weitere Auf- und Abs für die Flipperautomaten. Die letzte Krisenzeit wurde 1995 begründet und ist heutzutage als der Anfang vom Ende anzusehen. Denn trotz der Absatzprobleme wurde im Gegensatz zur letzten Krise in den 80er Jahren unwirtschaftlich gehandelt. Diesmal setzten die Hersteller auf extravagante und teure Konstruktionen, um die Talfahrt zu stoppen. Die teure Innovationssuche sollte die Talfahrt der Spielautomaten beenden. Heute wissen wir, dass das Vorhaben missglückt ist. 1999 kamen dann auch die letzten neuartigen Flipper auf den Markt. Das Experiment schlug fehl, neue Flipper mit integrierten Bildschirmen zu platzieren. Es verblieb nach der Schließung der Produktionshallen der großen Vier lediglich ein kleiner Hersteller.
Automatenmuseum und neue Entwicklungen
Obwohl die Hochzeit der Flipperautomaten beendet ist, ist die Thematik nach wie vor aktuell. Viele von Ihnen werden schon einmal einige Zeit vor einem der Spielautomaten verbracht haben. Wer nicht die Gelegenheit hatte, kann über den Erwerb eines Gebrauchtgerätes nachdenken. Oder er besucht ein Flipperautomatenmuseum. In Neuwied, in der Nähe von Koblenz, entstand 2006 das erste deutsche Flippermuseum, welches seitdem Besucher mit über 100 Automaten anlockt.
Die Gegenwart, Stand Anfang 2011
Momentan gibt es einen Hersteller, die Firma Stern in Chicago. Sie ist alleiniger Hersteller von Flippern seit 2009 und hat Flipper zu so bekannten Themen wie Lord of the Rings, Shrek, Batman, Simpsons, Avatar... heraus gebracht.
Weitere Titel hier.
2 weitere Firmen versuchen, auf den Markt zu kommen. EIne weitere Firma aus USA und eine aus Spanien. Ob sie es schaffen? Vielleicht wissen wir Ende 2011 schon mehr.

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