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Der 9.Spieltag findet am 11.2.2012 statt.

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Spenge/Bielefeld (dpa/lnw) – Das Klingeln und Klackern ist schon von weitem zu vernehmen: Immer wieder schießt die silberne Kugel durch den beständig blinkenden Flipper-Automaten, der nach dem Kinofilm „Fluch der Karibik“ gestaltet ist. Hier wird eine bedrohliche Krake überrollt, dort ein mächtiges Seeräuber-Schiff versenkt. Sounds und Zitate aus dem Film sind zu hören, während das Punktekonto steigt und steigt. Um den Automaten herum stehen mehrere Männer und Frauen, die das Geschehen aufmerksam verfolgen. Flippern dient ihnen nicht allein als bloßes Vergnügen. Sie gehören der Flipper-Liga Ostwestfalen-Lippe aus Bielefeld an und tragen gerade eines ihrer Turniere aus, in einem Wohnzimmer in Spenge.

Die Kombination aus „Koordination und Taktik“ sei es, die ihn am Flippern so reize, sagt der 27 Jahre alte Mark Klain. Auch die Geselligkeit bei den Liga-Treffen spiele für ihn eine große Rolle. Er habe das Flippern zunächst als Computerspiel kennen gelernt. Doch inzwischen machten ihm die realen Automaten viel mehr Spaß, sagt Klain, der in Lotte (Niedersachsen) lebt. Die 34 Jahre alte Tanja Lepping ist durch ihren Mann Jörg, der ebenfalls zur Liga gehört, zum Flippern gekommen. „Am Anfang war ich nicht so begeistert“, gibt die junge Frau aus Halle zu. Doch inzwischen schätze sie am Spiel die Mischung aus Glück und Taktik. „Je besser man die Geräte kennt, desto besser bekommt man sie unter Kontrolle.“

Die bunten Flipper-Automaten heißen „Family Guy“, „Wizard“ oder „Power Play“: Geräte wie diese waren noch vor rund 20 Jahren in fast jeder Gaststätte oder Spielhalle in Europa zu finden. In den 90ern jedoch verschwanden sie immer mehr aus dem öffentlichen Blickfeld. Lediglich eine Firma in den USA stellt heute überhaupt noch Automaten her. Flipper seien für die Aufsteller zu kostenintensiv geworden, erklärt Dirk Lamprecht, Geschäftsführer der AWI Automaten Wirtschaftsverbände Info GmbH in Berlin. Durch die Vergnügungssteuer und einen hohen Wartungsaufwand seien die Geräte zu wenig rentabel. „Das rechnet sich nicht“, sagte Lamprecht.

Den zahlreichen Flipper-Fans blieb nur der Rückzug ins Private. Einer davon war Stefan Redetzky aus Bielefeld, der sechs verschiedene Spielautomaten in seiner Wohnung stehen hat. Im Jahr 2008 rief er die Flipper-Liga OWL ins Leben. Er sei mit Flippern aufgewachsen, berichtet der 37-Jährige. „Dann hat es in den Kneipen auf einmal immer weniger davon gegeben.“ Und beim Spiel in den eigenen vier Wänden habe ihm auf Dauer der Austausch mit Gleichgesinnten gefehlt, erklärt Redetzky.

Mittlerweile hat die Ostwestfalen Flipper-Liga zehn Mitglieder im Alter von 27 bis 54 Jahren, darunter zwei Frauen. Beim Flippern nennen sie sich Lash, Flippuline oder Data. Die Turniere werden einmal im Monat bei einem der Spieler zu Hause ausgetragen. Sie dauern jeweils etwa vier bis fünf Stunden. Jeder muss an mehreren Automaten drei Spiele absolvieren, die Punkte werden addiert und in einer Tabelle festgehalten. Nach einem Jahr stehen die drei Spitzenreiter fest, die sich für die Deutschen Flippermeisterschaften qualifizieren.

Zumindest in Privathaushalten scheinen die Flipper wieder im Aufwind zu sein. Gab es 2009 noch etwa 18 Flipper-Ligen in Deutschland, sind es in diesem Jahr schon 25, wie Stefan Redetzky berichtet. Eine davon ist die Nordhessengang in Bad Wildungen. Zu ihr gehört Ergun Erdemir, der auch an internationalen Turnieren teilnimmt. Das Spiel mache ihm viel Spaß, doch sei er auch extrem ehrgeizig, sagt der 40-Jährige. „Der Wettkampf ist mir wichtig.“ Sich mit anderen Flipper-Spielern zu messen, verschaffe ihm einen Adrenalin-Kick.

Die Geschichte des Spiele-Automaten ohne Gewinnmöglichkeit reicht weit zurück. Die ersten flipperähnlichen Geräte gab es schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In den 1930 Jahren wurde der Tilt-Mechanismus entwickelt, der ein zu heftiges Anheben und Schütteln der Geräte verhindern sollte. 1947 wurden die Flipperhebel erfunden. In den 70er Jahren lösten die elektronischen Zählwerke die elektromechanisch betriebenen Geräte ab. In der Folgezeit wurden die Spielsysteme immer anspruchsvoller. Musik, Geräusche und optische Spielereien kamen verstärkt zum Einsatz. Seit Anfang der 90er kommen fast nur noch Flipper mit lizensierten Themen auf den Markt, etwa zu aktuellen Filmen.

Dokumentiert wird die Geschichte der Flipper-Automaten auch im Deutschen Flippermuseum in Neuwied, das im Jahr 2006 gegründet wurde. Über 100 Flipperautomaten von 1930 bis heute sind dort zu sehen. Fast alle können ausprobiert werden, wie auf der Website des Museums zu lesen ist: „Weil Flipper erleben selber spielen heißt.“

Wer sich für die Aktivitäten der Flipper-Liga OWL interessiert, kann sich bei Stefan Redetzky unter der E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. melden. „Auch Gastspieler sind bei uns willkommen“, betont der 37-Jährige.